Freitag, 11. April 2014

Katharina von Bora - Die Lutherin ... eine Cistercienserin?

In einem jüngst erschienen Beitrag geht P. Alkuin Schachenmayr den verschiedenen Idealdarstellungen der Katharina von Bora nach. Sie wurde in der Geschichte als erste Pfarrersfrau verehrt, als entlaufene Nonne verachtet, als emanzipierte Frau gewürdigt. So abwechslungsreich diese Darstellungen sind, so geht in der protestantischen "Bora-Hagiographie" ein ordensgeschichtlicher Aspekt verloren, nämlich der Vergleich von Boras Leben im Kloster mit dem Leben anderer Cistercienserinnen zu ihrer Zeit und in ihrem Raum. Jüngere Forschung über Cistercienserinnen schaut auf einen  unerwarteten Freiraum für die Frauen hinter Klostermauern: Es kommen Nonnenexistenzen ans Licht, die mit verantwortungsvollen Verwaltungsaufgaben betraut und die an einem regen geistlichen Leben beteiligt waren .... oder auch nicht. Über Boras Klosterjahre wissen wir nur wenig, aber ob der Sprung aus der Klausur für sie wirklich ein Gewinn an Selbstverwirklichung war, steht zur Debatte. In aller Ehrlichkeit hielt sie rückblickend am Pfingstfest 1540 (da war sie schon 15 Jahre verheiratet und hatte sechs Kinder) fest: Im Kloster habe sie mehr gebetet als seither. Weiter lesen in: Alkuin Volker Schachenmayr, Katharina von Bora. Eine Zisterzienserin als Luthers Ehefrau, in: Fiat voluntas tua. Theologe und Historiker – Priester und Professor. Festschrift zum 65. Geburtstag von Harm Klueting, hg. von Reimund Haas (Münster 2014) 223-238.

Sonntag, 16. März 2014

Tagung zu neuer Forschung über Loccum

Das vor 400 Jahren evangelisch gewordene Cistercienserkloster Loccum beging im Jahr 2013 sein 850jähriges Bestehen. Das Jubiläum bildet den Hintergrund einer Tagung, die vom 4. bis 6. April 2014 im Kloster und in der Evangelischen Akademie in Loccum stattfindet. Schwerpunkt der Vorträge sollen die mittelalterliche Geschichte des Klosters und die Zeit des Übergangs zur Abspaltung vom Orden sein.

Heute gilt Kloster Loccum neben dem Kloster Maulbronn in Baden-Württemberg als die am besten erhaltene Cisterce nördlich der Alpen. Ein Grund dafür ist die Ausgliederung aus dem lebenden Orden, so dass die Reformmaßnahmen des Tridentinums und des Zweiten Vatikanums am Areal kaum wahrnehmbar sind. Seit 1795 besteht ein protestantisches Predigerseminar in Loccum. Der Direktor dieser Anstalt, sowie bis zu acht weitere Geistliche, bilden einen "Konvent" von Loccum, aus dem ein Abt gewählt wird.

Die Tagung wurde in einer Kooperation mit der Evangelischen Akademie und der Abteilung für Kulturgeschichte und vergleichende Landesforschung der Universität Vechta vorbereitet. Tagungsprogramm hier.

Montag, 3. März 2014

Cambridge UP publishes "Companion to the Cistercian Order"

Cambridge University Press has published an introduction to Cistercian Studies. The book is available as an e-book and on paper. Editor Mette Bruun, Professor of Church History at the University of Copenhagen, is an example for a new style of research being applied to Cistercian Studies. It draws on the history of popular perceptions of monasticism, the Order's position in the history of ideas, and philosophical research on the ideals of silence and isolation.

Her selection of contributors is on the one hand an indicator of such new approaches, yet does not neglect to include recognized authorities in their diverse fields. Therefore, David Bell writes about liturgy, Rozanne Elder about the Order's early history, Bernard McGinn about spirituality. In keeping with (slightly skewed) Anglo-American perceptions of the Order, a Trappist accent appears throughout. Fr. Michael Casey OCSO is the only monk among the contributors.

Montag, 17. Februar 2014

EUCist 8 Doktorandenkolloquium ein Erfolg!


Am 14./15. Februar 2014 fand die achte EUCist Tagung statt, dieses Mal nahm sie die Form eines Doktorandenkolloquiums in Heiligenkreuz. Alle zwei Jahre widmen wir uns den Nachwuchsforschern und -forscherinnen, die über ein cisterciensisches Thema promovieren. Die Themenauswahl ist recht unterschiedlich, von mittelalterlicher Klostergründung und Patronanz bis hin zu Barockprälaten. An den zwei Tagen hörten wir auch Referate über Chorgestühle, Bibliotheksgeschichte (bzw. "Texttransfer"), und Visionsliteratur. Rechtsgeschichte und Kodikologie waren auch vertreten. Tagungsbericht folgt!

Leiter der Veranstaltung waren, wie in früheren Jahren, Jörg Oberste (Universität Regensburg) und Pater Alkuin Schachenmayr (Heiligenkreuz). Viele Teilnehmer interessierten sich auch für den lebendigen Klosteralltag und nahmen an der Liturgie der Mönche teil. EUCist Tagungen finden jährlich statt. Foto oben: Vor dem Kirchenportal zur Heiligenkreuzer Abteikirche. Rechts: Bei der Besichtigung des romanischen Getreidespeichers. 

Samstag, 1. Februar 2014

Immer mehr Totenroteln online

Die Staatliche Bibliothek Regensburg hat ihre Sammlung von zehn Bänden Totenroteln aus dem Benediktinerstift St. Emmeram kürzlich online gestellt (Bericht). Das ist nun mindestens die zweite digitalisierte Sammlung, die jederzeit abgerufen werden kann. Seit einiger Zeit ist schon die Sammlung des Benediktinerklosters Ensdorf (heute in der Provinzialbibliothek Amberg) online. Die Totenrotel ist eine lang vernachlässigte Quelle, die erstens faszinierende Vignetten zeigt und zweitens  große Erkenntnisse über klösterliches Leben (und Sterben) in der Frühen Neuzeit erschließt.

Beispiel für spannende Forschung mit Online-Werkzeug

In einem kurzen Beitrag über Abt Adam von Perseigne und seine Rezeption des Speculum virginum zeigt ein bekannter Wissenschaftsblogger, was ein Mediävist alles über aktuelle Forschungsmittel  erreichen kann ... ohne seinen Schreibtisch verlassen zu müssen. Mit den notwendigen Vorkenntnissen ergeben sich Verknüpfungen mit einer rasch zunehmenden Anzahl von Digitalisaten und Datenbanken. Keine Frage: Google Books bringt erhebliche Vorteile für die Forschung. Freilich weiß keiner, wie die Zugangsbestimmungen weiter gehen werden, und wann Bezahlung verlangt wird. Als Kostprobe lohnt sich jedenfalls die Lektüre des kurzen Beitrags über Adams Liber de mutuo amore ad sacras virgines und den kürzlich zuvor erschienenen Jungfrauenspiegel: auf dem Blog Ordensgeschichte.

Montag, 23. Dezember 2013

Neuauflage zur Wirtschaftsgeschichte

Wegen des großen Erfolgs der Publikation über das Cistercienserkloster Reinfelds Wirtschafts- und Sozialgeschichte gibt es bereits eine Neuauflage. Das Kloster Reinfeld. III. Die Klosterbücher, Beispiele für frühe Erdbücher und andere Quellen zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte Stormarns, herausgegeben von Martin J. Schröter, Neumünster 2013. Um sich auf die Subskribentenliste einzutragen, schreiben Sie ein Mail an: detlev.kraack@gmx.de