Sonntag, 30. August 2015

Märtyrer von Viaceli werden 3. Okt. seliggesprochen

Die 16 Märtyrer von Viaceli, die während des Spanischen Bürgerkriegs 1936 ermordet wurden, werden am 3. Oktober 2015 in der an der Nordküste von Spanien gelegenen Bischofsstadt Santander seliggesprochen. Erstaunlich ist der geringe Bekanntheitsgrad von dieser beachtlichen Zahl von jungen Mönchen und Nonnen (die Mehrzahl unter 30 Jahr alt), die ihr Leben für Christus geopfert haben. Neuerdings gibt es online ein Infoblatt auf Spanisch. Im deutschsprachigen Raum ist so gut wie nichts bekannt, außer dem (vom EUCist bewerkstelligten) Wiki-Artikel hier und einem Text auf ocso.org.

Bei der in den säkularen Medien weit verbreiteten und minutiösen Berichterstattung über klerikales Fehlverhalten (Sex and Crime), wollen wir abwarten, mit welcher Aufmerksamkeit über die Heldentaten der Cistercienser von Viaceli berichtet wird. Die Seligsprechung wird auch zeigen, ob die Dezentralisierung dieser feierlichen Liturgien die Verehrung fördert oder hindert. Seligsprechungen, die früher implizit als eine privilegierte Amtshandlung des Papstes verstanden wurden, finden nunmehr überwiegend lokal statt, selten auf dem Petersplatz und beinahe nie mit dem Papst als Vorsteher.

Ebenso fällt auf, dass die klösterlichen Organisatoren, die für die Verwaltung des Verfahrens zuständig sind, sich für eine offizielle, neo-byzantinische Ikonendarstellung der Märtyrer entschieden haben. Somit dokumentieren sie einen gewissen Bruch in der bildlichen Symbolgeschichte unseres Ordens. Cistercienserheilige als orthodoxe Mönche und Nonnen abzubilden eröffnet ein beinahe unüberschaubares Potential an Missverständnissen, weil der Cistercienserorden mit seiner Verfassungseinheit und gallico-römischen Präzision alles (aber wirklich alles!) andere darstellt, als eine ostkirchliche Klosterkultur.

Allerdings muss anlässlich der Seligsprechung die Dankbarkeit dafür überragen, dass ein wenig bekannt werden wird, wie viel christliches Blut im 20. Jh. geflossen ist und heute weiter fließt. Ihr Märtyrer von Viaceli, bittet für uns!

Dienstag, 21. Juli 2015

Andachtsbilder als Quellen

Gebetskärtchen und -zettel sagen indirekt über die Ordensgeschichte aus. Religiöse Idealhaltungen, das Selbstverständnis des Cistercienserordens zum diversen Zeiten und schließlich die Ästhetik kommen deutlich zu Vorschein. Gebetszettel sind an der Grenze zwischen offizieller Veröffentlichung (in früheren Zeiten war man vom Sortiment eines Verlags abhängig) und dem assoziativ-freieren Bereich der persönlichen Frömmigkeit. Die Kärtchen sind wenig beachtete Bestände von Klosterarchiven; sie werden oft unterschätzt. Es liegt ein Vorteil in dieser Lage: auf sommerlichen Flohmärkten kann man oft sehr wertvolle Exemplare finden. Unten einige Beispiele:

Das Bild links stellt den hl. Bernhard bei der Überreichung seines Briefes "De Consideratione" an den Cistercienserpapst Eugen III. dar. Freilich ist Bernhards Bart ganz fehl am Platz, auch die Schilderung des Briefes, als wäre es ein Codex und nicht ein verhältnismäßig kurzer Text. Interessant ist das schwarze Skapulier, das unter Eugens Papstgewandung sichtbar wird. Ist der päpstliche Schuhspitz rot? Das Bild war Primizbild eines Zwettler Primizianten um 1900.
Das Bild rechts ist das Primizbild des späteren Prioren von Heiligenkreuz, Aelred Pexa (1904-1974), der später zum Abt von Rein postuliert wurde. Pexa hatte als junger Mönch die Herz-Jesu Spiritualität von Helfta entdeckt und vor seiner Weihe bereits einige ordensgeschichtliche Beiträge veröffentlicht. Er interessierte sich für Liturgie und Observanzgeschichte. Das Kärtchen ist besonders interessant, weil die Seligen Maria vom hl. Heinrich und Maria vom Allerheiligsten Sakrament heute so gut wie unbekannt sind.
Dieses Bild (links) soll daran erinnern, dass Bildkärtchen nicht erst ein Produkt des Massendruckes im 19. Jh sind, sondern im 18. Jh. und sogar davor bestens bekannt waren. Wer eine solche Karte auf einem Flohmarkt gefunden hat, kann sich wahrlich glücklich preisen, denn es geht dabei um Sammlerobjekte der höheren Kategorie. Links wird die sel. Humbeline dargestellt. Auch wenn Cistercienserinnen kaum mehr mit Klosternamen so heißen, ist sie heute immer noch bestens bekannt, weil sie eine Schwester des hl. Bernhard war und erst nach ihrer Eheschließung in ein Frauenkloster eintrat. Ihr Bruder hatte sie von Clairvaux weggeschickt, als sie – noch vom Glanz eines oberflächlichen, konsumorientierten Lebens geblendet – in peinlicher Montur bei ihm anklopfte. Auf dem Bild sieht man sie in einem späteren Lebensabschnitt, als Büßerin.

Dienstag, 30. Juni 2015

Neues Einführungswerk: Cisterciensische Schriftkultur im Mittelalter

Jeder Orden produziert Schriften, möchte man denken. Aber die Schriftlichkeit der Cistercienser ist deswegen eigens zu behandeln, weil sie an der Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert ein neues Niveau an Organisation und Verwaltungspraxis in das monastische
Leben des Abendlandes brachte. Wie ein Werbetext für Christian Malzers neues Buch, Mittelalterliche Schriftkultur. Schriftkultur und Buchproduktion in den Oberpfälzer Zisterzienserklöstern bis zu ihrer Aufhebung im 16. Jh., sagt: Für die grauen Mönche
war das Medium der Schrift ein wesentlichesBindeglied für die rapide über ganz Europa verstreute Verbreitung des Ordens. Jedes neue Kloster musste dabei mit bestimmten liturgischen Texten und Büchern ausgestattet werden. Alles hatte einheitlichen Regeln zu folgen, was gut organisierte Werkstätten und rational anmutende Arbeitsprozesse voraussetzte.

Das Buch ist einerseits aus einer Lehrveranstaltung und andererseits aus einer Ausstellung der Provinzialbibliohtek Amberg hervorgegangen. Kernaufgabe des Buches ist es, Schriftzeugnisse aus den vier Cistercen der heutigen Oberpfalz (Waldsassen, Walderbach, Pielenhofen und Seligenporten) darzustellen. Dabei liefert Malzer viel mehr: Die 170 Seiten des Buches sind in knapp 10 Seiten lange Abschnitte aufgeteilt, die jeweils einen einleitenden Blick in die Welt der mittelalterlichen Skriptorien bieten. Es geht um konkrete Fragen wie Farbrezepte und die Arbeitsschritte bei der Schrifproduktion, aber auch um die klösterliche Kanzlei und cisterciensische Beteiligung an der Universitätskultur.

Wir verwenden Begriffe wie Skriptorium, Kanzlei und Bibliothek, oft ohne genau zu wissen, was im mittelalterlichen Kloster damit gemeint war. Dieses reich bebilderte und mit Elan geschriebene Büchlein liefert nützliche Einführungen, die in der Fachliteratur gar nicht so einfach zu finden sind.

Bestellung hier.

Freitag, 26. Juni 2015

Professurkunden, Urbestand klösterlicher Archive

Die Benediktsregel schreibt im 58. Kapitel vor, dass der Mönch bei seiner auf Lebenszeit verbindlichen Aufnahme in die klösterliche Gemeinschaft eine Urkunde (er nennt sie petitio) auf den Altar legt und sie vor Gott und all seinen Heiligen unterschreiben soll. Danach bewahrt sie der Abt mit besonderer Sorgfalt und darf sie, auch im tragischen Fall einer gescheiterten Berufung, nie weggegeben. Der Regelvater drückt damit eine unerschütterliche Treue aus, nämlich Gottes Treue: Er, der uns berufen hat, bricht seinen Bund mit uns nie. Daher bildet in vielen Klöstern der Bestand an Professurkunden (auch Professzettel genannt), eine stolze Säule des Archivbestands. Professurkunden werden für die Ewigkeit verfasst und sollen bis zum Ende einen übernatürlichen Rechtsnachweis sichern. Manche sind würdig geschmückt, andere ganz schlicht. Im Bild: Der  besonders feierliche Professzettel (1673) von einem jungen Heiligenkreuzer Mönch, der später Abt wurde: Frater Marian Schirmer.

Freitag, 12. Juni 2015

Jüngstes Buch über Lilienfeld setzt neuen Standard

Die jüngste Publikation über das Stift Lilienfeld, Campililiensia, setzt einen neuen Standard und übertrifft alle bisherigen, an ein breites Publikum gerichteten Publikationen über das berühmte Babenbergerkloster am Alpenrand Niederösterreichs. Die wissenschaftlichen Beiträge umfassen viele Bereiche, die im Zusammenhang mit dem Stift Lilienfeld und der ganzen Region stehen: Inkunabelsammlung, Stiftsbibliothek, barocke Tischlerarbeiten, historische Ansichten, Wallfahrten und Via Sacra, Mathias Zdarsky und das Stift Lilienfeld, das Stift als Arbeitgeber und vieles mehr. Der Sammelband präsentiert neue Forschungsergebnisse über Lilienfeld und noch nie veröffentlichtes Bildmaterial. Das Buch enthält viele Farbabbildungen, von ihnen ist das Ausfaltblatt (188-189), auf dem eine geniale Panoramaaufnahme der Stiftsbibliothek zu sehen ist, besonders prächtig. Ebenso erfreulich ist der Preis: Nur € 30!!

Campililiensia. Geschichte, Kunst und Kultur des Zisterzienserstiftes Lilienfeld
Herausgegeben von Pius Maurer, Irene Rabl und Harald Schmid
Lilienfeld 2015
Bestellinfos hier.

Inhalt
Pius Maurer
■ Die Geschichte des Stiftes Lilienfeld
■ Die Baugeschichte des Stiftes im 13. Jahrhundert
■ Bildungsinstitutionen
■ Die Mönche von Lilienfeld und die Alpen
■ Mathias Zdarsky und das Stift Lilienfeld
Harald Schmid
■ Historische Ansichten von Stift Lilienfeld
■ Der Weg ins Stift und die Altäre der Stiftsbasilika
■ Die Kreuzreliquie
Michael Bohr
■ Tischlerarbeiten in der Stiftskirche und der Bibliothek zu Lilienfeld
Bernhard Hanak
■ Orgeln und Glocken im Stift Lilienfeld
Rainer Straub
■ Über die Symbolik des Kreuzganges
Elisabeth Oberhaidacher-Herzig
■ Mittelalterliche Glasgemälde in Lilienfeld
Herwig Scheiblecker
■ Die Personen im Freskenprogramm der Stiftsbibliothek
Werner Telesko
■ Maria im »campus liliorum« Zur Barockbibliothek des Zisterzienserstiftes Lilienfeld
Irene Rabl
■ Die Lilienfelder Stiftsbibliothek: Geschichte, Buchbestand und Kataloge
■ Wallfahrten auf der Via Sacra und die Lilienfelder Erzbruderschaft des Hl. Joseph
Carmen Rob-Santer – Michaela Schuller-Juckes
■ Die Inkunabelsammlung des Stiftes Lilienfeld
Martin Roland
■ Die Concordantiae caritatis des Ulrich von Lilienfeld
Christian Rabl
■ Das Stift Lilienfeld als Arbeitgeber
 Der Krankenunterstützungsverein der stiftlichen Holzarbeiter im 19. Jahrhundert

Freitag, 29. Mai 2015

Sensationelle Schenkung an EUCist Bibliothek

Die Mannschaft aus Heiligenkreuz
 mit Angerer vor dem Transporter
Prälat DDr. Joachim Angerer O.Praem. hat der EUCist Bibliothek über 1.000 Bücher geschenkt. Der international anerkannte Gregorianik-Forscher hat sich nach Absprache mit seinen Mitbrüdern dafür entschieden. Angerer (81) hat u.a. zahlreiche Beiträge zur liturgisch-musikalischen Erneuerung der Melker Reform (15. Jh.) geschrieben; er war Schüler des berühmten Eugène Alexandre Cardine OSB (1905-1988) aus Solesmes, des Begründers der Gregorianischen Semiologie. Die EUCist Bibliothek wird diese Monate in ihre neuen Räumlichkeiten übersiedeln. Wir sind Prälat Angerer unendlich dankbar für diese unermessliche Schenkung, die wahrhaft ein Stück seines bibliophilen Herzens darstellt.

Donnerstag, 14. Mai 2015

Adolf von Harnack, Stams und die Cistercienserforschung

In den letzten Tagen ist eine Ausgabe von Wilhelm Rohrs (1848-1907) Stamser Radierungen auf den Markt gekommen. Darin sind 11 von ursprünglich 14 Sujets erhalten; sie beziehen sich auf das klösterliche Leben mit besonderer Berücksichtigung des Noviziats. Die romantisierenden Radierungen sind für ihre Hinweise auf Habit- und Observanzgeschichte des Ordens relevant. Ebenso verweist das Buch mit seinem Vorwort auf eine unerwartete Cisterciensernote in der liberalen protestantischen Dogmengeschichtswissenschaft um die Wende zum 20. Jahrhundert: Das Vorwort ist von Adolf von Harnack!

Adolf von Harnack (1851-1930) machte mit seiner Familie oft in der Cistercienserabtei Stams (Tirol) seine Sommerferien. Das erste Mal kam er zufällig dorthin, als er wegen einer Handschrift auf die Stamser Bibliothek aufmerksam gemacht wurde. Auf Bitten des Abtes verlängerte Harnack den ersten Aufenthalt und verfasste ein Verzeichnis der Stamser Codices. Die gegenseitige Freundschaft und die Lage des Klosters machten Stams zu seinem jährlichen Ferienziel.

Harnacks Begeisterung für den Cistercienserorden lässt sich in einer sechsfach aufgelegten Kleinschrift, die aus einer Vorlesung über das Mönchtum hervorging, dokumentieren: "Derselbe Mönch (Bernhard), der in der Stille seiner Klosterzelle eine neue Sprache der Anbetung redet, seine Seele ganz dem 'Bräutigam' weiht, die Weltflucht der Christenheit predigt, dem Papst zuruft, dass er auf dem Stuhle Petri zum Dienste, nicht zur Herrschaft berufen sei, ist doch zugleich in allen hierarchischen Vorurteilen seiner Zeit befangen und leitet selbst die Politik der weltherrschenden Kirche." (Das Mönchtum, seine ideal und seine Geschichte [1. Aufl. Gießen 1881] 38).

Harnack blieb ein überzeugter Protestant, wenn auch ein kritischer: Er meinte, in Martin Luthers Theologie ein Ergebnis (nicht eine Umkehrung) des Mittelalters zu sehen. Generell meinte er, die Aussagen christlicher Dogmen sollten durch geschichtliche Studien relativiert werden. Er war eine kontroversielle Gestalt, einerseits in führender Position bei der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft und andererseits ein sehr liberaler Protestant. Seine Beziehung zum katholischen Stift Stams ist vielen nicht bekannt; von seiner Begeisterung für die Anfänge des Cistercienserordens wissen wohl nur wenige.

Rohrs Buch, derzeit auf eBay in Auktion, ist im ganzen deutschen Sprachraum nur in den Beständen der Hamburger Kunsthalle (Museumsbibliothek) verzeichnet. Das Buch ist ein Beispiel für den Wert von heute wenig bekannter Kunst, die zwar nicht internationalen Rang erreicht, aber ungemein viel über die Kultur- und Rezeptionsgeschichte cisterciensischer Themen aussagt.

Literatur: Agnes Zahn Harnack, Adolf von Harnack (Berlin 1950) 215-216. Wilhelm Rohr, Die Cistercienser. Ein Cyclus von vierzehn Original-Radirungen. Mit einer Einführung von Professor Dr. Adolf Harnack (München [ohne Jahresangabe]). Adolf von Harnack, Verzeichnis der Handschriften der Bibliothek des Stiftes Stams, in: Xenia Bernardina 2 (Wien 1891).