Mittwoch, 1. Februar 2012
Fossanova and St. Thomas
On January 28th, the Feast of St. Thomas Aquinas, many Cistercians' thoughts go to the Italian abbey of Fossanova, which is where Thomas died. He died there on his way to the Second Council of Lyon in 1274; this was in some providential manner the fitting place for him to die, as he had begun his intellectual life at the Benedictine Ur-Abbey Monte Cassino. Nonetheless he never made profession according to the Benedictine way of life and never lived under the Rule. The site at which God had him conclude his earthly pilgrimage draws us back to the significant connections between the Order of Cîteaux and the Order of Preachers (especially around Toulouse) and reminds us that our preaching brothers were the much-needed and much-blessed continuation of a monastic movement that had reached one of its peaks at Cîteaux, yet went on to inspire other forms of life as well. Sancte Thoma, Doctor angelice, ora pro nobis! PS: To round out the picture, let us close by mentioning which monks inhabit Fossanova today: the Franciscans.
Montag, 26. Dezember 2011
Schulpforta
Das Internat Schulpforta an der Saale, etwa 60 km von Leipzig entfernt, ein ehemaliges Cistercienserkloster, ist für die deutsche Geistesgeschichte ein Ausbildungsort mit kaum zu überschätzender Bedeutung, dort sind Größen wie Johann Gottlieb Fichte, Friedrich Gottlieb Klopstock, Leopold von Ranke, Ulrich von Wilamowitz (und Friedrich Nietzsche!) ausgebildet worden; freilich nicht im Geist des Cistercienserordens, denn die Abtei wurde 1543 durch Eingreifen des Landesherrn zu einer protestantischen Schule umgewidmet, die Mönche mussten weg. Die Männerabtei (Kloster Pforta) wurde ursprünglich im Jahr 1127 als Benediktinerkloster gegründet und wechselte bald danach (1132) zu den Cisterciensern aus der Filiation der Primarabtei Morimond. Als eine Art Wiedergutmachung für die Enteignung der Klöster während der Reformation hat man in vielen aufgehobenen Klöstern (zB in Maulbronn) Schulen eingerichtet. Im Fall von Schulpforta (so der adaptierte Name) ging es um die Förderung besonders begabter Schüler. Die Liste der Absolventen lässt das bis heute erkennen. Allerdings ging es im 20. Jh. turbulent zu: Die Schule widmete sich der Begabtenförderung eines anderen Lagers, nämlich als NAPOLA (Nationalpolitische Erziehungsanstalt der NSDAP), und in der kommunistischen Diktatur der DDR war die Schule auch ein Ort der Indoktrination. Heute befindet sich die Schule in der Trägerschaft des Landes Sachsen-Anhalt. Der zweischiffige Kreuzgang (Bild) bleibt bis heute ein seltenes Charakteristikum!
Dienstag, 20. Dezember 2011
Cisterciensische Weihnachtslieder
Das Frauenkloster Medingen interessiert uns zur Advent- und Weihnachtszeit, weil dort das Lied „Gelobet seist du, Jesu Christ“ um 1320 entstanden ist, damals wurde das Lied lateinisch verfasst und hieß „Dies est laetitiae”. Der Ton stammt aus der cisterciensischen Männerabtei Hohenfurt um 1410. Medingen gehört zu den „Lüneburger Klöstern“, die eine reiche kulturelle Ausstrahlung hatten. 1524 musste der Konvent zum lutherischen Glauben wechseln, wogegen sich die Nonnen 30 Jahre widersetzt haben, doch es half nichts, weil der Landesherr seinen Willen durchgesetzt hat. 1559 wurde Medingen ein protestantisches Damenstift mit mehr oder weniger Residenzpflicht. Martin Luther griff das Christuslied aus dem Frauenkloster auf und machte es zu einem der bedeutendsten Weihnachtslieder im deutschen Raum. Bach nahm das Thema und komponierte damit eine gleichnamige Choralkantate für den Ersten Weihnachtstag im Jahr 1724.
Samstag, 26. November 2011
Hosenrolle im Theatrum Claustrale
Hildegund wurde als Kind von ihrem Vater ins Heilige Land mitgenommen. Um eine problemlose Fahrt zu garantieren, hat man das Mädchen mit männlicher Kleidung angezogen. Diese und den zur Reise angenommenen Namen Joseph behielt sie, als der Vater starb und dann auch ein untreuer Diener sie verließ. Sie kehrte also von der Reise alleine nachhause und trat in das kürzlich gestiftete Cistercienserkloster Schönau bei Heidelberg ein. Hier wurde sie aber nicht glücklich. Von der Furcht vor Entdeckung gequält, starb sie noch als Novize am 20. April 1188.
Nach der Entdeckung ihres Geschlechts erkundeten die Mönche mit Mühe ihre Herkunft und bewunderten sie nachträglich. Sie war nämlich für ihre Sittenreinheit und Frömmigkeit im Noviziat bekannt, und bald verbreitete sich der Ruf von Wundern an ihrem Grabe. Sie wurde zwar nie kanonisiert, aber ein lokaler Kult entwickelt sich und an ihrem Todestag wird sie im Nekrologium erwähnt. Sie wurde von den Vitenschreibern und Dichtern des späten 12. und frühen 13. Jahrhunderts begeistert aufgegriffen. Caesarius von Heisterbach widmete ihr ein Kapitel im Dialogus Miraculorum (I,40).
Die Theatergeschichte kennt die Hosenrolle besser als die Ordengeschichte, und das ist wohl auch gut so. Wir kennen das Phänomen u.a. bei William Shakespeare (Portia im Kaufmann von Venedig) und im Rosenkavalier von Richard Strauss (Oktavian). Bei der Hosenrolle ist die Stimmlage der Darsteller oft das Problem, weil sie nicht in die Geschlechterrolle passt. Das kannte auch Hildegund. Einmal stellte der Abt ihr die Frage: "Bruder Josef, warst Du noch nicht im Stimmbruch?" Sie kam mit einer Floskel aus dem Schneider.
Samstag, 5. November 2011
Cistercienser und Heiliges Land im Barockzeitalter
P. Robert Leeb vom Stift Heiligenkreuz hat 1719/1720 eine 16-monatige Pilgerreise ins Heilige Land gewagt. Dabei musste er sich teilweise als Franziskaner kleiden, denn die braune Kutte war den Muslimen vertraut, schwarz-weiß war ihnen suspekt. Acht Jahre nach seiner Rückkehr wurde Leeb zum Abt gewählt.
Erst viele Jahre später erschien Der andächtige Pilgrim (Nürnberg 1740), die deutsche Fassung seines lateinisch verfassten Reiseberichts.
Leebs Reise war eine Sensation aber für damals nicht einmalig. Die Palästina-Pilgerberichte sind inzwischen in der Forschung zur selbständigen Prosa-Gattung avanciert. Die ältesten Berichte christlicher Palästinapilger sind im 4.-7. Jh. entstanden; sie setzen sich mehr oder weniger ununterbrochen bis in die Gegenwart durch. Bei der Berichterstattung über die Peregrinatio in terram sanctam geht es (auch) um eine Topographie des Heiligen Landes, die zwar heute nicht mehr im positivistischen Sinne gilt, die aber viel über Frömmigkeit und Glaubensüberlieferung mitteilt. Die Peregrinatio Gattung ist ein interessanter gemeinsamer Boden für Germanistik und Ordensgeschichte.
Samstag, 8. Oktober 2011
Melanchthon, Luther and Bernard
The most recent issue of Luther Digest has excerpted an article that Franz Posset wrote for the Analecta Cisterciensia back in volume 55 (2005) 301-315. Melanchthon, who was initially not impressed by Bernard, wrote more and more about him after 1530. Posset attributes this increase to conversations Melanchthon had with Luther, who was an ardent admirer of things Cistercian. Luther most admired Bernard's first Sermon on the Annunciation. As a result, Bernard's sermon became a "classic text" for the reform-discourse in the sixteenth century. See Luther Digest 19 (2011) 123-126.
Freitag, 7. Oktober 2011
Neuerscheinung: "Klosterkultur in Bayern vor der Säkularisation"
Das von Iris Lauterbach herausgegebene Buch mit Beiträgen von führenden Forschern nimmt die Klosterkultur in Altbayern im 18. Jh. als Ausgangspunkt. Vor allem geht es um das älteste altbayerische Cistercienserstift, Raitenhaslach bei Burghausen an der Salzach (1146 gegründet). Dem Buch geht es – außer um konkrete Fragen zur Baugeschichte und Ausstattung von Raitenhaslach – um Konkurrenzen und um künstlerische sowie politische Strategien der bayerischen Klöster. Der Paradigmenwechsel der bayerischen Kirchenpolitik zwischen Konfessionalisierung und Aufklärung lässt sich als Rahmen auf die gesamte süddeutsch-österreichische Klosterkultur im 18. Jh. beziehen: von der Phase gegenreformatorischer Selbstbehauptung und Stabilisierung bis zur Öffnung gegenüber einer rationalistischen Wissenskultur.
Das Buchprojekt ist eine Initiative des Zentralinstituts für Kunstgeschichte in München; Bestellungen für € 15,- im Buchhandel (
ISBN 978-3-9806071-7-9) oder über: verwaltung@zikg.eu
Abonnieren
Posts (Atom)






