Samstag, 8. Juni 2013
Von klösterlichem Grundbesitz zur Territorialherrschaft in Holstein
Diese Quellenedition umfasst 716 Einträge der fragmentarisch überlieferten Klosterbücher (Erdbücher) des Cistercienserklosters Reinfeld in Holstein der Jahre 1544 bis zur Säkularisierung 1582. Das zweite Klosterbuch wurde als Reinfelder Amtsbuch unter der Herrschaft Herzog Johanns von Schleswig-Holstein-Sonderburg fortgeführt und dokumentiert die Transformation der klösterlichen in eine Territorialherrschaft der werdenden modernen Staatlichkeit noch vor dem Dreißigjährigen Krieg aus den Jahren 1582 bis 1620. Die Einträge geben tiefe Einblicke in die Lebenswelt der „kleinen Leute“, die in vielfältigen Formen mit dem Kloster und seiner bedeutenden Grundherrschaft im Raum zwischen Hamburg und Lübeck verbunden waren.
Montag, 27. Mai 2013
Papst Benedikt kennt jüngste Bernhardsedition
Im zweiten Band seiner Jesus-Trilogie geht Papst Benedikt XVI. in einem unerwarteten Zusammenhang auf den hl. Bernhard von Clairvaux ein. Im Abschnitt über das Ende des jüdischen Tempelkultes spricht der Papst sich deutlich für ein Sonderprivileg der Juden aus: Die Kirche muss sich nicht um ihre Bekehrung kümmern, bis nicht die Vollzahl der Heiden erreicht und gläubig worden ist. Zu diesem Zeitpunkt wird, nach Röm 11,25-26, Israel als Ganzes zu Christus kommen. Erstaunlicherweise verweist der Papst dann auf den Bernhardsbrief De Consideratione, den der Abt von Clairvaux an seinen Schüler schrieb, der unter dem Namen Eugen III. Papst geworden war. "Für die Juden ist ein bestimmter Zeitpunkt festgelegt, dem man nicht vorgreifen kann." Weiters zitiert er die heutige Äbtissin von Maraistern-Gwiggen, Hildegard Brem, die den Bernhardsbrief für P. Gerhard Winklers Gesamtausgabe übersetzt und kommentiert hat. Ein erfreuliches Beispiel dafür, dass der emeritierte Papst selbst De Consideratione kennt. Der Brief ist ja auch als "Papstspiegel" bekannt, weil er darin dem Nachfolger Petri eine Art Gewissenserforschung vorlegt. Eine Rezeptionsgeschichte dieses vielleicht bekanntesten Einzeltextes des hl. Bernhard würde sich lohnen.
Die Stelle: Joseph Ratzinger, Jesus von Nazareth, Zweiter Teil, Vom Einzug in Jerusalem bis zur Auferstehung. Freiburg-Basel-Wien 2011) 60.
Mittwoch, 1. Mai 2013
Seminar Tübingen-Heiligenkreuz
Vom 22-25. April 2013 fand in Heiligenkreuz bereits zum zweiten Mal eine gemeinsame Lehrveranstaltung der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. statt: „Die Cistercienser zwischen Filiation und Kongregation. Ein Orden zwischen der geistigen Welt Bernhards von Clairvaux und den Reformen des Spätmittelalters“. Die Leiter der Veranstaltung waren Prof. Dr. Immo Eberl und Prof P. DDr. Alkuin Schachenmayr OCist. In verschiedenen Referaten und Diskussionen konnten sich die Studenten beider Fakultäten vor allem im Bereich der Verfassungsgeschichte des Ordens vertiefen. Die Teilnahme an der klösterlichen Liturgie vervollständigte die wissenschaftliche Auseinandersetzung. In den Referaten wurde ein weiter Bogen von den Anfängen des christlichen Mönchtums bis zur Trennung der beiden Cistercienser-Observanzen im Jahre 1892 gespannt. Der Tagungsbericht erscheint demnächst.
Samstag, 30. März 2013
Bernhard von Clairvaux und Religiöse Bildung
Bernhard von Clairvaux
und religiöse Bildung, das impliziert verschiedene Teilfragen. Ein englischer Beitrag von Marvin Döbler im gerade bei Brill (Leiden)
erschienenen Band „Religious Education in Pre-Modern Europe“ stellt Bernhard auf der Grundlage eines im selben Bande
entwickelten theoretischen Rahmes als Lehrer vor. Seine
eigene gute Ausbildung in drei der sieben „Freien Künste“, sein
ekklesiologisch begründetes Bildungsmodell, seine sprachlich
ausgefeilten Briefe gegen Abaelard werden genauso behandelt wie die
Frage, wie Bernhard sich zur Philosophie stellt. Bernhard wird als
monastischer Lehrer eingeführt, der mit seiner wohlbegründeten
Andragogie klassische Bildung und monastisches Leben auf die formatio
hin zusammenführt und dessen andragogischer Impetus vor seinem
geistlichen Sohn und Papst Eugenius nicht Halt macht. Diese Frage
wird in einem Beitrag „Formation for Wisdom, Not Education for
Knowledge“ von E. Rozanne Elder noch einmal vertieft, der
allerdings von einem engeren Verständnis von Bildung ausgeht. Es
gelingt ihr, den trinitarischen Abdruck von Verstand, Wille und
Intellekt anthropologisch bei den frühen Cisterciensern zu verorten
und die Konsequenzen für die monastische Bildung („formatio“
als „nach dem Bilde formen“) bei den Cistercienservätern
aufzuzeigen.
Mittwoch, 27. März 2013
Cistercienser Zeuge für Christus in der NS-Zeit
„P. Gerard (Michael) Scherer, Mönch in Bronnbach und Seligenporten (1892-1944) – Zeuge für Christus in schwerer Zeit“ ist einer der Beiträge der „Bronnbacher Miszellen“ betitelt, die im Ende 2012 erschienenen Wertheimer Jahrbuch 2010/11 erschienen sind und über den Bereich dieser Zeitschrift hinaus Interesse verdienen. Die weiteren Beiträge befassen sich mit den Patronen der Bronnbacher Klosterkirche, mit der Rettung und den Rettern des Cistercienserklosters in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, mit dem Einsatz Bronnbacher Mönche in Szentgotthárd Ende des 15. Jahrhunderts, mit der Klosterflucht und Klosteraustritten im 18. Jahrhundert und mit der Grablege des in Bronnbach ab 1855 residierenden portugiesischen Exkönigs Miguel I. und seiner Ehefrau Adelheid in Lissabon. Der Verfasser der Miszellen, Leonhard Scherg, der seit über 40 Jahren über Bronnbach arbeitet und seine Ergebnisse vorwiegend im Wertheimer Jahrbuch veröffentlicht, ist auch als Mitarbeiter der Analecta Cisterciensia bekannt.
Freitag, 22. März 2013
New Book on Early Lay Brothers
Monks are bound by the RB, lay brothers are not. Monks' daily lives are regulated by the Ecclesiastica Officia, whereas lay brothers use the Usus Conversorum. Monks are tonsured because they are clerics; lay brothers are not tonsured but bearded. Monks wear cowls, lay brothers wear cloaks (88). James France's new book Separate but Equal is about the first generations of Cistercian Lay Brothers. His book covers the question of monks' manual labor before there were lay brothers, asks how illiterate the lay brothers really were, analyzes hagiography of the conversi, and - among several other chapters - explains their decline. There are also chapters that describe revolt among lay brothers, lay brothers with bad morals, and the typical representation of conversi in the exempla literature. The books has many b/w illustrations and cites Cistercian sources extensively. Ordering information here. The title is meant to provoke by showing that medieval religious norms cannot be explained by a comparison with the American Civil Rights movement.
Donnerstag, 24. Januar 2013
Excellent Research on Exiled English Nuns
The first three of six editions have been published since the Who were the Nuns? Project began in 2008. The new books cover the topics of 1: History Writing, 2: Spirituality, and 3: Life Writing. The period of English nuns' continental exile is roughly to be located between 1600 and 1800 but extends beyond in several cases. There is a website associated with this project, a very rich resource indeed, providing biographies of the exiled nuns and in some cases digital images of their painted portraits. The criterion for inclusion is "nun in exile", therefore transcending the boundaries of religious orders and the various European countries in which the sisters took refuge. This is a remarkable contribution to the history of Early Modern monasticism. Every order (or abbey?) should be interested in following suit.
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