Donnerstag, 28. Januar 2016

Jan. 26th, Solemnity of the Founders of Cîteaux

Br. Raphael Schaner, junior monk at Our Lady of Dallas, portrays the three holy founders of Cîteaux in this traditional yet not so traditional work. Those familiar with Cistercian iconography know to expect a progression from left to right that traditionally shows first Robert, then Alberic, then Stephen. Schaner adopts that sequence and focusses on the saints' attributes, not their physiognomy, of which we know very little. Robert is shown with the abbey's groundplan since he was responsible for the first buildings. Alberich was famous for his knowledge and observance of the Rule of St. Benedict and his charism for performing the abbot's administrative duties. The third figure is Stephen Harding, under whose abbacy the Carta Caritatis was first composed; he is holding a copy. The backround shows one unified, modern, printed text of monastic legislation that connects the three columns and thereby points to consistency and fraternal unity. The Order's initial austerity shines through the strict separation of black and white.

Donnerstag, 21. Januar 2016

Das Konventsiegel als Gegenstück zum Abtssiegel

Mit der Erlaubnis von Papst Benedikt XII. im Jahr 1335 erhielt jede Cistercienserabtei das Privileg einer zweiten Beurkundungsstelle. Anfangs hat nur die Abtskanzlei über ein Siegel verfügt. Als es aber zu häufig abwesenden oder wirtschaftlich verantwortungslosen Äbten kam, bot das Konventsiegel einen Ausweg für besorgte Konvente. Das zweite Siegel wurde vom Prior verwaltet und erlaubte dem Kloster eine juristische und verwaltungstechnische Alternative zum Abtssiegel. Fortan mussten in besonders spannungsbeladenen Situation beide Parteien – Abt und Konvent – ihre Zustimmung zur Transaktion geben. Der Abt besiegelte und der Konvent leistete dazu die Gegenbesiegelung.

Auch in wohlgeordneten und observanten Klöstern lebte das Konventsiegel fort. Es war in der Zeit der Barockprälaten, die wegen ihrer Verpflichtungen am Hof oft abwesend waren, das amtliche Siegel des Priors. Sie waren in der Frühen Neuzeit keine Seltenheit auf wichtigen Briefen, die der Prior verfasste; auch im 20. Jh. wurden sie als Priorats"stempel" häufig verwendet, ohne freilich eine vorhergehende Abstimmung im Konvent zu implizieren.

Es wird oft gesagt, dass ein Konventsiegel eine marianische Darstellung braucht. In der Tat sind Mariendarstellungen in den Siegelbildern des 14. Jahrhunderts weit verbreitet, aber es gibt Ausnahmen. Das Bild oben zeigt das Konventsiegel von Heiligenkreuz; darauf finden wir keine Mariendarstellung, sondern die in einer Kukulle gekleidete Hand des Abtes, den Abtsstab haltend. Wie im ähnlichen Konventsiegel des Klosters Rievaulx (Yorkshire) von 1315 greift man hier den Konventgedanken anders auf. Es geht nicht um eine Opposition zwischen Abt und Prior, sondern um das Siegel als Zeichen der Einheit. Es wurde vom Prior und vier dazu bestimmten Mönchen verwaltet. Eventuell unterscheidet das zweite Kreuz im abgebildeten Heiligenkreuzer Siegel das Konventsiegel vom Abtssiegel. Heraldisch wäre das zweite Kreuz sonst schwer zu erklären.

Das Konventsiegel von Himmerod (rechts) zeigt auch keine Mariendarstellung, geht aber in sehr eleganter und ziffernmystischer Weise auf die Einheit zwischen Abt und Konvent ein.

Montag, 21. Dezember 2015

Veneration of St. Thomas Becket among Cistercians


The archbishop murdered in his own cathedral on 29 December, 1170 is perhaps the most dramatic martyr for ecclesial rights in the struggle between worldly power and the church's theoretical exemption from it. The Church commemorates him on 29 December.
Because of his role in the Investiture Controversy and his exemplary way of life as a bishop, Thomas Becket enjoyed special veneration among Cistercians. These two episcopal virtues appear often in Cistercian hagiography, e.g. in Bernard's life of Malachy and his well-known defense of the papacy.
Thomas was a canon lawyer but first and foremost a priest. He may have even thought of himself as a monk. When he was informed that a papal envoy had come to bring the soon-to-be martyr his pallium as Archbishop of Canterbury, Becket went out to meet the diplomat in his bare feet, as a sign of humility. His service in Canterbury was to become deeply troubled only two years later, mainly through the Constitutions of Clarendon, King Henry's attempt to gain jurisdiction over matters usually reserved to ecclesiastical courts.
Special veneration for Thomas among Cistercians dates back to Becket's exile in Pontigny, one of our French abbeys. Roger, a monk there, documented this long visit in his vita of Saint Thomas. While there during 1164 and 1165, Thomas clearly enjoyed the Cistercians' favor, ordaining several of them (including Roger) to the priesthood during his stay. It was in Pontigny that he befriended Isaac of Stella, who may have lost the abbacy of Stella as a result of this alliance; Isaac soon fled to the Isle of Ré, perhaps because King Henry had threatened the entire Order with severe sanctions if it continued to protect Becket.
Becket's assassination in the cathedral led to an unusually rapid canonization and widespread veneration across Europe, remarkable in its own right because of the slightly arcane nature of the dispute. Western dramatists from the Romantic and Modernist eras took to the subject matter again; literary treatments by Tennyson (1884), Anouilh (1959) and most of all T.S. Eliot (1935, filmed in 1951) reached wide audiences.

Donnerstag, 10. Dezember 2015

Palindrome in klösterlichen Gratulationsschriften

Ein Palindrom (griechisch für ‚rückwärts laufend‘) ist eine Zeichenkette, die dieselbe Reihenfolge ergibt, egal ob von vorn oder von hinten gelesen. Gratulationsschreiben der Barockzeit greifen oft auf dieses rätselhafte Wortspiel zurück, wie wir anhand der folgenden Textbeispiele sehen.





In einem Fall kommt bei der Buchstabenfolge die Abbildung eines Kelches durch buchstäbliche Wortmalerei (!) zustande, denn man feierte in diesem süddeutschen Kloster das Weihejubiläum des Abtes. Zugegeben: Bei manchen Palindromen ist es gar nicht so einfach, den Sinn zu entziffern; manche sind auch fantasievoller als andere. Das kürzeste und wohl verbreiteste Palindrom geht auf Tertullian zurück und hat auch einen tiefen theologischen Sinn: Ave Eva! Damit wird der Sündenfall der einen Frau durch die Auserwählung der Immakulata (Grußwort des Engels Gabriel an Maria) geheilt. Mehr Beispiele von Palindromen gibt es hier


Samstag, 21. November 2015

Die Zellentür und ihr Guckloch

Die Geschichte der Klosterzelle ist ein Thema, über das wir überraschend wenig wissen. Bekanntlich haben Cistercienser zunächst in Schlafsälen gewohnt; die Wohnbereiche waren mit dünnen Holz- und Stoffwände von einander getrennt. Im Verlauf des Spätmittelalters kam die Einzelzelle auf, diese wurde mal mehr, mal weniger gutgeheißen, weil sie als Zeichen des unerwünschten Individualismus gedeutet wurde. Andererseits entwickelt sich eine tiefe Mystik der Zelle als das Kämmerlein des Gebetes und des verinnerlichten Gespräches mit Gott.
 Die Klosterzelle ist immer im Rückbezug auf jeweilige Gesellschaften zu verstehen. Westlich geprägte Menschen des 21. Jh.s erwarten nicht nur die "eigenen vier Wände", sondern meist auch eine private Nasszelle. Das war vor wenigen Generationen undenkbar. Was ist "privat", was ist "andächtig zurückgezogen"? Große Schwankungen würden sich in einer geschichtlichen Gesamtdarstellung der Zelle zeigen.

In diesen Bildern zeigen wir Zellentüren aus dem 18. Jh., die mit einem Guckloch (nach innen!) ausgestattet sind. Die Löcher wurden von den Oberen dazu verwendet, um zu kontrollieren, ob der Mönch zur vorgeschriebenen Zeit betet – oder schläft.

Mittwoch, 28. Oktober 2015

Bibliothek der Abtei Clairvaux geht online

Die mittelalterliche Bibliothek der Abtei Clairvaux – 1.150 Handschriften und 500.000 Farbseiten – ist nun online. Anlässlich des 900. Jahrestages der Klostergründung von Clairvaux (1115) und beflügelt durch die Ernennung der Bibliothek zum Unesco Weltkulturerbe (2009) will diese Initiative der Bibliothek ein "zweites, digitales Leben" schenken. Am 13. Oktober wurde in Zusammenarbeit mit der Bibliothèque nationale de France ein gratis online Zugang lanciert. Die Onlinestellung von mittelalterlichen Texten ist zwar nicht wirklich neu, aber die technischen Mittel, die auf genannter Homepage zur Verfügung stellen, zeugen von einem riesigen technischen Qualitätssprung. Es geht hier auch um die Vermittlung von mittelalterlichen Schriften an ein allgemeines Publikum. Dazu setzt die Médiathèque du Grand Troyes Mittel ein, die den erfahrenen Forschern vielleicht wie special effects erscheinen, aber es geht eben um die Vermittlung einer als "schwierig" geltenden Materie an eine neue Generation. Ein Besuch auf der Homepage ist verpflichtend.




Donnerstag, 15. Oktober 2015

Böden und Fliesen


Wenige Böden aus dem Mittelalter sind erhalten; wo sie nicht abgenützt wurden, wurden sie überschüttet. Merkwürdigerweise ist Bodenbelag gar nicht so langfristig. Böden sind mehr ein Zierelement als man denken würde: Man richtet sie am Schluss der Bauarbeiten ein, da man keine Gerüste auf ihnen aufstellen sollte. Fenster müssen fertig sein, bevor man den Boden legt. Die ältest erhaltenen Fliesen sind auf das Ende des 12. Jh.s datiert, sind dunkelgrün, gelb, braun oder schwarz und hochpoliert. Ihre geometrischen Entwurfe sind – wie auch im Fall der Grisaillefenster – oft einfach und spielerisch zugleich, weil die kreative Muster fantasievolle Verknüpfungen ergeben. Sie haben sogar eine liturgiewissenschaftliche Dimension, weil die Fliesenlegung gewisse Zonen in der Kirche abgegrenzt haben oder als Richtlinien dienten, etwa für die Aufstellung der Schola oder eines Lektors.
Bis in das 13. Jh. gab es keine Gesetzgebung vom Generalkapitel über die Böden in Cistercienserkirchen; der erste Hinweis ist aus dem GK 1205, als der Abt von Pontigny dafür gerügt wurde, einen zu prächtigen Boden in seiner Kirche gelegt zu haben.
Im Bild: Fliesen im Kreuzgang der ehem. Abtei Loccum. Literatur: Christopher Norton, 'Early Cistercian Tile Pavements', in: Cistercian Art and Architecture, ed. Christopher Norton and David Park (Cambridge 1986) 228-255.