Montag, 8. September 2014

Paraliturgischer Brauchtum in Frauenklöstern - selten erforscht

Kürzlich gesichtete Photoalben von einem Frauenkloster um 1930 zeigen die Einkleidung im Kontext der Brautmystik. In obiger Abbildung wird mittels einer "vor- und nachher" Präsentation sehr deutlich, dass man die Einkleidung als Vermählung verstand und vermitteln wollte. Die jungen Frauen trugen weiße (Hochzeits)Kleider und eine Blumekrone. Die Krone ging (wenn auch reduziert) von der einen Gewandung auf die andere über. Später wurde diese Art Symbolik bei der Einkleidung unterlassen, weil die Feierliche Profess – nicht die Einkleidung – der eigentliche Moment der Vermählung ist. Über diese und ähnliche Fragen gibt es vereinzelte Studien, aber nicht viele. Im rechten Bild (hintere Reihe) sind die abgerundeten Skapuliere auch bemerkenswert.

Mittwoch, 3. September 2014

New Lexicon of Spanish Cistercian Authors

The periodical Cistercium, Revista de Historia, Arte y Espiritualidad published a valuable bio-bibliographical resource in their recent issue 262 (2014), pp. 75-387.

Damian Neira, Alejandro Masoliver, Augustin Romero and Francisco R. de Pascual have published a new lexicon of Spanish-language Cistercian authors. They include four groups of Cistercian observances: the Castilian Congregation, the Congregation of Aragon, the Stricter Observance and the Cistercian Order. The work includes only authors who wrote in Spanish, a somewhat peculiar way of selecting a category since most Cistercian authors before 1900 wrote mostly in Latin, regardless of where they lived. And many who were born in Spain didn't work there as scholars, such as the most famous man listed in the current publication: Chrysostomus Henriquez. The first installment of the Diccionario is devoted to surnames beginning with A to F; 108 names are included. A second installment with the names G-M is planned, a final third volume will include O-Z.

Occasional illustrations enrich the register. These are especially useful when they include pictures of the authors or the monastic setting in which they worked, as is the case for Rafael Baron and Candido Albalat y Puigcerver (whose year of death is erroneously printed as 1917 instead of 1915 [p. 110]).

This sort of lexical directory is rare today on paper, since more and more of this information is being provided online every day. The last significant effort in offering comprehensive biographies of Cistercian authors dates back to the 1970s: The Dictionnaire des auteurs cisterciens, edited by Emile Brouette, Anselme Dimier and Eugène Manning (La Documentation Cistercienne 16, Rochefort 1975-1979), is still a valuable resource.

More information on the new (Spanish-only) publication here. In the picture: The refectory in Huerta Abbey, where Henriquez was a novice.

Samstag, 23. August 2014

Neue Dissertation: Tridentinumrezeption im Cistercienserorden

Bertrand Marceau hat neulich seine Dissertation an der Université Paris-Sorbonne (Paris IV) eingereicht. Die Arbeit, L’abbé de Cîteaux et la direction de l’ordre cistercien (1584-1651), geht auf eine wichtige Etappe der Geschichte des Ordens ein, die von der Forschung vernachlässigt wird. Wie ging der Orden von Cîteaux aus den Wirren des Spätmittelalters in die Frühe Neuzeit über? Die Rezeption der Konzilsdekrete des Tridentinums, Observanzdispute und nationale Einflusszonen innerhalb des Generalkapitels machten eine konsequente Führung des Ordens durch den Generalabt schwierig. Das Wirken Kardinal Richelieus als Generalabt, gefolgt von Generalabt Claude Vaussin, der als kluger, abgeklärter Vorsteher des Gesamtordens Kompromisse und Stabilität erreichen konnte, sind dabei besonders spannende Themen. Vaussin musste vermitteln zwischen kooperationswilligen Kongregationen wie der Oberdeutschen oder der von Aragon, und zentrifugalen Gruppierungen wie der Kongregation von Kastillien oder den italienischen Feuillanten. Mehr zur Dissertation hier.

Freitag, 22. August 2014

Neuerscheinung Wilhelm von St. Thierry zum Römerbrief

Wilhelm von Saint-Thierry, einer der "vier Evangelisten" des Ordens, gehört zu den Gründervätern des Ordens von Cîteaux. Er prägte den Orden am meisten durch seine Schriften. Er war ein wichtiger Ideengeber für den honigfließenden Lehrer Bernhard, vor allem Der Goldene Brief ist vielen bekannt. Wilhelms Methode der Schriftauslegung ist nicht philologisch im Sinne der humanistisch-protestantisch beeinflussten Exegese, sondern meditativ und lyrisch-liturgisch. Bibelauslegung ist in seiner Schule beinahe dasselbe wie Gebet. Wilhelms Werk wurde für diese neue Edition von Klaus Berger und seiner Frau Christiane Nord übersetzt und kommentiert. Berger ist einer der meist gelesenen, lebenden Theologen in deutscher Sprache; er hat bereits 70 Bücher publiziert. Christiane Nord war 1994 bis 2005 Professorin für Übersetzungswissenschaft an der Fachhochschule Magdeburg. Gemeinsam veröffentlichten sie bereits eine Übersetzung des Neuen Testamentes. Prof. Berger ist seit 1994 Familiar des Cistercienserordens (Stift Heiligenkreuz). Bestellungen hier.

Freitag, 25. Juli 2014

The "Basics" of Monastic History Not Always so Basic

In a recent paper, Fr. Columba Stewart OSB (Collegeville) points to several "basic" assumptions in the grand early narrative of Benedictine history in the first millennium that may need to be examined more closely. Do the origins of monasticism really lie with Antony in Egypt? Can we confidently continue to uphold the polarity between city and desert, so often repeated as a classical feature in the story of monastic development? And: Are we sure that the Rule of St. Benedict was used by Gregory at his monastery in Rome before his election as Pope and given by him to the missionaries sent to England at the end of the sixth century? Was it not first the Carolingian period that brought about the exaltation of the Rule? These questions are not meant to question the depth or legitimacy of the Rule. On the contrary, its survival and distribution throughout the centuries are proof of its wisdom: "succisa virescit" (when cut down, it grows back stronger).

Montag, 21. Juli 2014

Klosterbräuche, Kochrezepte, Habitschnittmuster, Neujahrsgeschenke...

Johannes Waldschütz hat auf dem Blog Ordensgeschichte über Edmund Warehams Dissertationsprojekt Spiritualität und Alltag. Eine Geschichte des Zisterzienserinnenklosters Günterstal im 15. und 16. Jahrhundert berichtet. Dabei geht es vor allem um eine Quelle: Das Notizenbuch der Messnerin. Diese Quelle berichtet über gerade die Dinge im klösterlichen Alltag der Frühen Neuzeit, die sonst schwer zu finden sind: Klosterbräuche außerhalb der Liturgie, Hauswirtschaft, Kochrezepte, Schnittmuster, eine Almosenordnung und sogar Neujahrsgeschenke. Ein vielversprechendes Projekt!

Freitag, 18. Juli 2014

Meisterhafter Literatur- und Forschungsbericht

Elke Goez hat in ihrem hervorragenden Vortrag den Stand der Cistercienserforschung (Stand 2012) meisterhaft dargestellt. Der 10-seitige Text ist unerlässliche Lektüre für jede Vertiefung in Cistercienserstudien. Die Mitarbeiterin der Monumenta Germaniae Historica habilitierte sich über Schriftlichkeit bei den Cisterciensern des Mittelalters; aus dieser Erfahrung kommend überblickt sie die jüngste deutsch- und englischsprachige Literatur mit beachtlicher Souveränität.
Ihre Anregungen zu weiterer Forschung gehen auf jüngste Arbeiten ein, die unkonventionelle Themen wie das Zusammenleben der Generationen im Kloster, Konflikte und deren Bewältigung 
bzw. Eskalation behandeln. Ebenso streift sie die inzwischen etablierte Erforschung von Nonnen, Kanonissen, geistlichen Frauen oder Beginen, die die Cistercienserinnenstudien tangiert. Die Bedeutung der Frauenklöster durch ihre wirtschaftliche, kulturelle und politische Tätigkeit wird immer mehr zur Grunderkenntnis der Cistercienserforschung, auch wenn noch viel zu erarbeiten ist. 
Goez macht auf den besonders lückenhaften Stand der Forschung zum Thema Stadt und Cistercienserkonvent aufmerksam. Als schmerzliches Manko empfindet sie die geringfügige editorische Aufarbeitung des administrativen Schriftguts des Ordens (etwa Urbare, Zinsbücher, Visitationsprotokolle und Rechnungsbücher). Die wirtschaftliche Bedeutung des Ordens ist seit langem bekannt und in zahlreichen Studien ausführlich erforscht, aber der Umgang des Ordens mit Geld und seine Rolle im Kreditwesen bleiben Tabu. Das war u.a. der Anlass dafür, dass EUCist 09 (Reinbeck/Schleswig-Holstein) im März 2015 dem Thema Wirtschaft gewidmet sein wird. 
Mit besonderer Freude stellte die Redaktion von EUCist News fest, dass Goez ihre Tour d’Horizon mit der Erwähnung des EUCist als Forschungszentrum in Heiligenkreuz beendet, und unserem relativ jungen Institut das letzte Wort lässt. Danke!