Dienstag, 13. September 2011

Ist die 'Marienklage' typisch cisterciensisch?

Die Marienklage (Planctus Mariae) war eine Dichtung des hl. Bernhard von Clairvaux, so dachte man über Jahrhunderte hinweg. Inzwischen datiert man den Ursprung des Textes auf das frühe 13. Jh., also reichlich nach Bernhards Tod. Warum hielt man die Dichtung für Bernhards Werk? Die Marienklage ist eine Versetzung des Lesers oder Zuschauers in die Perspektive Mariens, die vor dem Anblick ihres gekreuzigten Sohnes ihr Leid klagt. Diese Szene war ein häufiger Bestandteil von Mysterienspielen, das sind religiöse Inszenierungen außerhalb der Hl. Messe. Diese Theatertradition "erstarrte" dann in im bildnerischen Motiv der Pietà. Was heute eines der berühmtesten Kunstwerke der Welt ist, Michelangelos Pietá, ist zwar nicht auf Bernhard zurückzuführen, aber doch auf etwas typisch Bernhardinisch-Cistercienserisches: Die sinnliche Versetzung in die Gegenwart des Heilsgeschehens durch das liturgische Gebet. Dieser Aspekt der monastischen Theologie wird auch compassio genannt.

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