Samstag, 5. November 2011

Cistercienser und Heiliges Land im Barockzeitalter

P. Robert Leeb vom Stift Heiligenkreuz hat 1719/1720 eine 16-monatige Pilgerreise ins Heilige Land gewagt. Dabei musste er sich teilweise als Franziskaner kleiden, denn die braune Kutte war den Muslimen vertraut, schwarz-weiß war ihnen suspekt. Acht Jahre nach seiner Rückkehr wurde Leeb zum Abt gewählt. Erst viele Jahre später erschien Der andächtige Pilgrim (Nürnberg 1740), die deutsche Fassung seines lateinisch verfassten Reiseberichts. Leebs Reise war eine Sensation aber für damals nicht einmalig. Die Palästina-Pilgerberichte sind inzwischen in der Forschung zur selbständigen Prosa-Gattung avanciert. Die ältesten Berichte christlicher Palästinapilger sind im 4.-7. Jh. entstanden; sie setzen sich mehr oder weniger ununterbrochen bis in die Gegenwart durch. Bei der Berichterstattung über die Peregrinatio in terram sanctam geht es (auch) um eine Topographie des Heiligen Landes, die zwar heute nicht mehr im positivistischen Sinne gilt, die aber viel über Frömmigkeit und Glaubensüberlieferung mitteilt. Die Peregrinatio Gattung ist ein interessanter gemeinsamer Boden für Germanistik und Ordensgeschichte.

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