Montag, 27. Mai 2013

Papst Benedikt kennt jüngste Bernhardsedition


Im zweiten Band seiner Jesus-Trilogie geht Papst Benedikt XVI. in einem unerwarteten Zusammenhang auf den hl. Bernhard von Clairvaux ein. Im Abschnitt über das Ende des jüdischen Tempelkultes spricht der Papst sich deutlich für ein Sonderprivileg der Juden aus: Die Kirche muss sich nicht um ihre Bekehrung kümmern, bis nicht die Vollzahl der Heiden erreicht und gläubig worden ist. Zu diesem Zeitpunkt wird, nach Röm 11,25-26, Israel als Ganzes zu Christus kommen. Erstaunlicherweise verweist der Papst dann auf den Bernhardsbrief De Consideratione, den der Abt von Clairvaux an seinen Schüler schrieb, der unter dem Namen Eugen III. Papst geworden war. "Für die Juden ist ein bestimmter Zeitpunkt festgelegt, dem man nicht vorgreifen kann." Weiters zitiert er die heutige Äbtissin von Maraistern-Gwiggen, Hildegard Brem, die den Bernhardsbrief für P. Gerhard Winklers Gesamtausgabe übersetzt und kommentiert hat. Ein erfreuliches Beispiel dafür, dass der emeritierte Papst selbst De Consideratione kennt. Der Brief ist ja auch als "Papstspiegel" bekannt, weil er darin dem Nachfolger Petri eine Art Gewissenserforschung vorlegt. Eine Rezeptionsgeschichte dieses vielleicht bekanntesten Einzeltextes des hl. Bernhard würde sich lohnen.  

Die Stelle: Joseph Ratzinger, Jesus von Nazareth, Zweiter Teil, Vom Einzug in Jerusalem bis zur Auferstehung. Freiburg-Basel-Wien 2011) 60.

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