Dienstag, 9. Dezember 2014

Josef Meinrad als Cistercienser im Film "Siegel Gottes" (1949)

In seinem siebenten Film – Das Siegel Gottes (1949) – spielte Josef Meinrad einen Cistercienserpriester, der das Beichtgeheimnis nicht preisgibt. Mindestens zwei Szenen wurden auf dem Areal des Stiftes Heiligenkreuz gedreht, und zwar am barocken Kreuzweg (vor der letzten Station) und im mittelalterlichen Kreuzgang. Bei den Dreharbeiten waren mehrere Mitbrüder aus dem Heiligenkreuzer Konvent anwesend, sie erscheinen aber nicht im Film.

Die Darstellung eines österreichischen Cisterciensers der Gegenwart ist optisch gelungen; der Habit ist mit seinem charakteristischen Kragen und der fehlenden Kapuze realitätsnahe geschneidert.

Meinrad spielte Priesterrollen oft und gerne, war er doch selber in einem Knabenseminar der Redemptoristen in Niederösterreich erzogen worden. Als geistlicher Lehrer in der Trapp-Familie (1956) wurde er wieder im Kontext der österreichischen Selbstpräsentation nach Außen bekannt, dieses Mal auf ein US-amerikanisches Publikum zielend. 1957 spielte er den Kapuzinerprediger in Wallensteins Lager am Wiener Burgtheater. Diese und andere Rollen machten ihn für eine Generation von Österreichern zum Idealbild des katholischen Priesters in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

"Im identitätsverunsicherten Österreich der Nachkriegsjahre nahm Josef Meinrad eine 'Rolle' ein, die ihn zur Identifikationsfigur und zum Repräsentanten eines sich neu etablierenden Österreichbewusstseins erhob."1



1 Agnes Kapias, "Theaterspielen: Das ist für mich wie Beten –!" Josef Meinrads Darstellung geistlicher Würdenträger, in: Josef Meinrad – der ideale Österreicher, hg. von Julia Danielczyk (Wien 2013) 164-185, hier 164.

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