Samstag, 20. Februar 2016

Äbtissinnen mit Pontifikalien

In der Diskussion über die Frauenweihe ist überraschend wenig die Rede von Äbtissinnen und der Auswahl an Privilegien, die ihnen in manchen Epochen und Klöstern verliehen wurden. Die kanonistische Dissertation von Josemaria Escriva de Belaguer behandelt den berühmtesten Fall der Neuzeit: Las Huelgas. In den links und rechts stehenden Aufnahmen aus Las Huelgas im 20. Jh. erkennt man die Fortsetzung des Privilegs, nicht nur Stab sondern auch eine Diakonissinnenstola zu tragen. Die Äbtissin durfte bzw. musste bei feierlichen Vigilien das Evangelium verkünden können, daraus ergab sich die Stola. Die Homilie hielt sie allerdings, wie die meisten Äbte des Mittelalters auch, im Kapitelsaal außerhalb der Messe; dafür brauchte sie keine Stola.

Auf einer der EUCist-News Redaktion bislang unbekannten spanischen Homepage werden weitere Beispiele von Äbtissinnengewandung im Cistercienserorden gezeigt. Ein sehr seltener Fall besteht in der Erweiterung der Kukulle zur Schleppenlänge, wie im Bild rechts. Weitere Entfaltungsmöglichkeiten sind bis heute durch Pontifikalhandschuhe gegeben.

Eine der berühmtesten Äbtissinnen von Las Huelgas war María Ana de Austria (1568-1629), die sich allerdings ohne Pontifikalien porträtieren ließ. In ihrem Porträt unten steht sie in verhältnismäßig schlichter Haltung, ohne Brustkreuz aber (vielleicht stattdessen) mit einer Art Rosenkranz um den Hals, dem Stab in Händen und schwarzen Ärmeln. Cisterciensische Porträtur aus dieser Epoche, sei sie männlich oder weiblich, betont den dezenten, fast nur für Insider erkennbaren dünnen Rand des Skapuliers am unteren Kukullensaum.


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